Gläubigervergleich

Nicht immer ist der Gläubigervergleich die beste Lösung. Dies klingt natürlich seltsam, da wir die Insolvenzvermeidung durch Gläubigervergleich anbieten.

Natürlich wollen Sie die Insolvenz vermeiden …

Die Insolvenz hat viele elegant durch einen Gläubigervergleich umschifft werden können:Das Verfahren wird öffentlich bekannt gemacht. Sie bekommen einen Eintrag bei der Schufa. Nicht alle Forderungen fallen in die Restschuldbefreiung (Geldstrafen u.a.) und in manchen Fällen haben Sie durch die Insolvenz sogar berufliche Nachteile zu befürchten (z.B. Verlust der Zulassung bei Rechtsanwälten).

Aber ein Gläubigervergleich ist nicht immer ohne weiteres möglich und birgt seine eigenen Gefahren.

Problem 1 : Sie brauchen die Zustimmung aller Gläubiger

Neulich konnten wir einen Vergleich feiern, bei dem durch eine Einmalzahlung von 3.000,00 EUR ein Betrag in Höhe von 123.341,56 EUR erledigt wurde. Der Fall wies aber ein paar Besonderheiten auf:

  • der Schuldner war in Rente, pfändbares Einkommen war für die Gläubiger nicht mehr zu erwarten
  • die Gläubiger hatten jahrelang erfolglos versucht zu vollstrecken
  • es handelte sich um eine Einmalzahlung durch Verwandte
  • es gab nur 3 Gläubiger

In vielen anderen Fällen ist die Zustimmung der Gläubiger schwer bis überhaupt nicht zu erhalten. Die häufigsten Probleme sind:

  • viele Gläubiger (je mehr Gläubiger um so wahrscheinlicher wird es, dass einzelne Gläubiger die Zustimmung versagen)
  • Ratenzahlungsangebot (manche Gläubiger erhalten Kleinstraten. Die angebotenen 0,43 EUR monatlich decken nicht einmal die Kosten der Buchhaltung)
  • Zahlungsversprechen des Schuldners wurden in der Vergangenheit nicht eingehalten
  • Junger Schuldner (Gläubiger hoffen auf eine Einkommensteigerung)
Natürlich sind Gläubigerverhandlungen mit einem deutlich höherem Aufwand verbunden als die Vorbereitung einer Verbraucherinsolvenz durch einen Schuldenbereinigungsplan. Die Zustimmung der Gläubiger ist meist nur durch persönliches Verhandeln am Telefon zu erreichen. Dieser erhöhte Aufwand schlägt sich auch in den Kosten nieder. Wir raten daher unseren Mandanten nur dann zu einer Vergleichslösung, wenn wir realistische Erfolgsaussichten sehen.

Problem 2 : das Leben ist nicht planbar

Wir hatten nach zähem Ringen für einen ehemals selbständigen Architekten eine Einigung mit allen Gläubigern, inclusive dem Finanzamt, erzielt. Einige Male hatte es ausgesehen, als ob die Verhandlungen scheitern würden. Der Vergleich sah eine Ratenzahlung und einen Verzicht auf einen Teil der Forderung vor, sobald eine bestimmte Summe bezahlt wurde. Wir richteten ein Treuhandkonto ein und die Zahlungen des Schuldners wurden von uns entsprechend der Vereinbarung an die Gläubiger verteilt. Alles lief prächtig. Nach 2 1/2 Jahren trennte sich die Frau des Schuldners. Der Schuldner musste seinen Arbeitsplatz wechseln und einen Einkommensverlust in Kauf nehmen. Wegen des Unterhalts und der getrennten Haushaltsführung konnten die Raten nicht mehr bezahlt werden und die Gläubiger haben die mühsam erkämpfte Vereinbarung (berechtigt) gekündigt. Die vereinbarte Anpassungsklausel griff nicht. Der Architekt musste nun doch in die Insolvenz. Durch den Vergleich hat er nicht nur 2 1/2 Jahre verloren. Um die Insolvenz zu vermeiden, hat er den Gläubigern etwas höhere Zahlungen angeboten, als in einem Insolvenzverfahren erforderlich gewesen wären. Trotzdem werden die Zahlungen nicht auf die Dauer eines Insolvenzverfahrens angerechnet. Es bleibt bei der üblichen Dauer der „Abtretungsphase“.
Ich hätte gleich in die Insolvenz gehen sollen. Trotz Vergleich spürte ich immer noch die Gläubiger im Nacken, weil ich jeden Monat die Angst hatte, die Rate nicht stemmen zu können. Eigentlich hat mich nur mein Stolz davon abgehalten, Insolvenz zu beantragen. Jetzt hab ich endlich meine Ruhe.
In einem Insolvenzverfahren hätte der Schuldner seinem Treuhänder eine Mitteilung gemacht. Der Einkommensrückgang hätte das Verfahren ansonsten nicht beeinträchtigt. Ein Vergleich kann nicht alle Eventualitäten abdecken. Natürlich wird versucht, Anpassungsklauseln zu vereinbaren. Doch kein Gläubiger stimmt einem Ratenzahlungsverglich zu, der keine Kündigungsmöglichkeit vorsieht, wenn nicht bezahlt wird.

Fazit zum Gläubigervergleich

  1. Wegen der erhöhten Kosten sollte nur dann ein Gläubigervergleich angestrebt werden, wenn es hierfür auch Erfolgsaussichten gibt.
  2. Eine Einmalzahlung ist bei den Gläubigern beliebter und bietet dem Schuldner auch eine bessere Sicherheit.
  3. Bei einer Ratenzahlung trägt der Schuldner immer die Gefahr, dass die Vereinbarung später nicht mehr eingehalten werden kann und dennoch ein Insolvenzverfahren durchgeführt werden muss.
Wir helfen Ihnen Ihnen gerne bei der realistischen Abschätzung, ob ein Vergleich für Sie die optimale Lösung ist.
War der Artikel hilfreich ?
[Bewertungen: 3 | Durchschnitt :3.7]

Ein Kommentar auf “Gläubigervergleich
  1. Chr. Andert sagt:

    Sehr geehrter Herr Miehler,
    erst einmal ein großes Kompliment für die sehr informative Homepage.
    Leider muss ich in die Ent-Schuldigung und bin so auf Sie aufmerksam geworden.
    Ich hätte da zwei Fragen:
    1. Sie schreiben mit 50% Kopfstimmen und 50% Summe, ist es möglich nach dem gescheiteren außergerichtlichen Vergleich mit dem Insolvenzantrag einen gerichtlichen Vergleich zu beantragen. Sonst habe ich überall immer „über“, „Mehrheit“ oder „mehr als 50%“ gelesen. Bei mir z.B. ich habe 4 Gläubiger. Bedeutet das, wenn 2 für einen außergerichtl. Vergleich sind, die anderen 2 dagegen (oder einer dagegen, einer meldet sich nicht oder 2 melden sich nicht) und die Summe auch mind. 50% beträgt, der Richter einen Versuch durchführen muss???
    2.Einer der 4 Gläubiger ist meine Mutter. Sie hat mir,über original Kontoauszüge nachweisbar, mehrfach größere Summen geliehen. Reichen die Kontoauszüge als Nachweis für den Richter, oder benötige ich Schuldscheine, oder Nachweise über Privatdarlehen, oder ein Schuldenanerkenntnisschreiben über die Leihgaben?
    Super, dass man Ihnen Fragen stellen kann.
    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort, und bedanke mich vorab schon einmal.
    Mit freundlichen Grüßen
    Chr. Andert
    Antworten

Bitte schreiben Sie Ihre Meinung in den Kommentar. Falls Sie eine Frage haben, schicken Sie uns lieber eine Nachricht. Auf Ihre Nachricht können wir schneller reagieren und Ihr Problem wird auch nicht auf unserer Seite veröffentlicht. Um Ihre Frage zu stellen, klicken Sie den nachfolgenden Button.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Rechtsanwälte
Miehler & Müller
Über uns

Wir sind eine auf das Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei in München.

Wir entschulden Privatpersonen und Selbständige.

Wir sind als Rechtsanwälte berechtigt, die Bescheinigung nach § 305 InsO auszustellen.


Wie wir Ihnen helfen
  • wir klären, welche Schulden vorhanden sind
  • wir verhandeln in geeigneten Fällen mit Ihren Gläubigern
  • wir führen für Sie das Schulden­bereinigungs­verfahren durch
  • wir helfen bei der Vorbereitung Ihrer Insolvenz
  • wir betreuen Sie während des Insolvenzverfahrens
Wir helfen Ihnen unbürokratisch und im persönlichen Gespräch wieder den Kopf frei zu bekommen und zwar schnell.

Termin vereinbaren